Entrepreneurial Year

Prototyping (Teil 2): 7 Regeln für erfolgreiches Prototyping

7 Regeln für's Prototyping

Im letzten Beitrag habe ich erklärt, wieso der „Everything is a Prototype“-Mindset so wichtig ist und wieso alles mit einem Prototypen beginnt, alles ein Prototyp ist und alles ein Prototyp sein wird. Aber was macht das Prototypen-Bauen so wichtig in der Entwicklung einer Idee? Und was sollte man dabei beachten?

Die inhärente Funktion eines Prototypen ist es, eine Idee von der abstrakten Ebene zu lösen und erlebbar darzustellen. Die Idee konkretisiert sich dadurch nicht nur für den Designer, der sich auf eine mögliche Umsetzung der Idee beschränken muss, sondern hilft auch dem Gegenüber, diese Idee zu verstehen und den Ansatz auf Eignung zu überprüfen.

Der Prototyp dient der Kommunikation einer Idee und steht dabei immer für eine Frage (z.B. „Liegt dieser Telefonhörer gut in der Hand?“). Der Prototyp macht diese Frage greifbar und erlaubt ehrliches Feedback, weil die Tester den vorläufigen Stand einer Idee erkennen und nicht Angst haben müssen, den Designer direkt zu kritisieren.

Ziel des Prototypen ist dabei nicht der Prototyp selbst, sondern das bessere Verständnis über die Bedürfnisse der Nutzer. Daraus ergeben sich 7 Regeln zum effektiven Umgang mit Prototypen.

1. Schnell zum 1. Prototyp
Prototypen erweisen sich gerade bei hoher Ungewissheit (i.d.R. im frühen Stadium einer Idee) als sehr hilfreich, weil man durch sie (1) sehr schnell lernen und die konkreten Benutzerbedürfnisse abtasten kann und (2) frühzeitig „richtige“ und „falsche“ Ansätze erkennt und so Fehlentwicklungen und damit verbundene Kosten verhindern kann. Mann kann daher nicht früh genug mit dem Prototypieren beginnen!

2. Quick and Dirty
Ein Prototyp muss nicht schön oder vollständig sein. Er muss nur die dahinter stehende Frage möglichst effektiv und effizient beantworten. Nach dem Testen bleibt die Erkenntnis, der Prototyp wird aber weggeworfen. Perfektionismus ist daher fehl am Platz. Denn je weniger Zeit man in einen einzelnen Prototypen investiert, desto mehr Zeit hat man viele verschiedene zu Testen – und mehr zu lernen.

3. Keine Angst vor schlechten Prototypen
Wir hadern oft damit etwas Neues anzufangen, weil wir wissen, dass das Ergebnis nicht perfekt sein wird – wir aber von unserem Umfeld daran gemessen werden. Deshalb tun wir nichts. Was wir dabei verkennen ist, dass wir gerade durch ein nicht perfektes Ergebnis neue Erkenntnisse generieren, lernen und uns so verbessern. Wir müssen also „schlechte“ Prototypen bauen. Alles andere würde Stillstand bedeuten.

4. Richtiges Feedback von richtigen Nutzern
Wir neigen dazu, beim Prototypen-Testing in unser Umfeld zu bleiben, weil wir hier einen einfachen Zugang haben. Erkenntnisse aus den Prototypen sind aber erst wirklich wertvoll, wenn sie aus dem Umfeld stammen, in dem die Idee später umgesetzt werden soll. Prototypen müssen mit den späteren Nutzern der Lösung getestet werden! Natürlich sind auch Fremdmeinungen von Personen, die nichts mit der Idee zu tun haben, interessant – ja manchmal sogar erhellend – aber eigentlich muss man bei den „Heavy Users“ genauer hinhören. Ein wichtiger Teil der Prototypenevaluation ist daher sich Zugang zu diesen Nutzergruppen zu verschaffen.

5. Der Feind ist dein Freund
Feedback auf Prototypen ist oft sehr negativ. Zum Glück! Wie oben beschrieben lernen wir vor allem aus kritischen Meinungen. Aber diese muss man auch zulassen bzw. sogar suchen. Man sollte einen Prototypen immer mit dem Gedanken bauen, dass man ihn „falsifizieren“ möchte. Dazu gehört auch die Bereitschaft, ihn – nach getaner Arbeit – wieder zu verwerfen. Wer einen Prototypen verteidigt, hat den Sinn des Prototyping nicht verstanden.

6. Es gibt keine Abkürzung
Wenn man auf den Entwicklungsprozess einer Idee zurückschaut, überkommt einem oft das Gefühl, vieles umsonst gemacht zu haben. Die Lösung war doch so naheliegend. Da hätte man auch direkt drauf kommen können. Falsch! Das Ergebnis ist das Resultat des gesamten Prozesses. Es hat diese „Reise“ gebraucht – auch die Umwege und die Schritte in eine vermeintlich falsche Richtung – damit sich das Bild vom wahren Ziel bilden konnte. Ohne die „überflüssige“ Arbeit wäre man nicht auf den nächsten Schritt gekommen, auch wenn es in der Retrospektive (und vor allem für alle Unbeteiligten) ganz einfach aussieht.

7. Keep calm and carry on
Ein Prototyp, der nicht mehr kritisierbar ist, ist kein guter Prototyp. Und selbst die finale Lösung ist eine unvollkommene Annäherung an den Idealzustand – der sich laufend verändert. Sie ist daher immer nur der „aktuelle Stand des Irrtums“ – und möchte über neue Prototypen weiterentwickelt werden. Good Design never stops.

In diesem Sinne: Happy Prototyping!

1 Kommentar
  1. Claudia says: November 20, 201417:57

    Richtig gut gedenkt! Bisch halt doch e Käpsele :-))
    HDL

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