Entrepreneurial Year

Aufstehen, umfallen, aufstehen, umfallen… Aufstehen.

entrepreneurial-year_kreativität

“Sex Toys? Haha… klar, Sex sells!”, sagte ein Passant zu mir letzte Woche in Stuttgart. Und genau dasselbe haben wir uns auch gedacht, als wir vor gut einem Jahr bei zwei drei Bier die ersten Ideen zu einem edlen, stilvollen Online Sex Toy Shop diskutierten. Seither ist viel passiert.

Wir haben Ideen gesponnen, prototypiert, umgesetzt, getestet, verbessert und verfeinert. In dieser produktiven Phase ist ein hochwertiger Online Store inkl. Guide rund um Sex Toys entstanden. “Nice, man sieht was man gemacht hat.” – Nur sieht’s sonst noch niemand, weil’s kaum jemand weiß. Deshalb haben wir unseren Fokus gewechselt: von der Produktion zur Promotion. From the comfort zone out of the comfort zone.

Über die vergangenen Wochen waren wir on- und vor allem offline auf Promotion-Tour. Yep, weg vom Mac und rein in die anonyme Masse. Wir wollten herausfinden wer das ist da draußen. Wie reagieren Leute auf uns? Auf das Thema? Sex Toys in der Öffentlichkeit? Seit wenigen Tagen sind wir wieder zurück in den eigenen vier Wänden und versuchen unsere Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten. Wir haben gespürt wie hart die Arbeit “draußen” ist, wie gleichwohl faszinierend und herausfordernd die Kommunikation über das Thema Love Toys fällt und dass die Tätigkeitsbereiche “Produktion” und “Promotion” schlichtweg grundverschieden sind.

Während wir im Produzieren (Ideen generieren, umsetzen, verbessern) echt gut sind und aus dem (gefühlt) direkten Zusammenhang von “geleistetem Input” zu “fassbarem Output” viel Motivation ziehen können, fällt uns das promoten, sprich “das Ding an den Mann (bzw. die Frau) zu bringen”, deutlich schwerer. Die Tatsache, dass der (momentan) geleistete Input in praktisch keinem Verhältnis zum (momentanen) Output steht, lässt in den Köpfen zahlreiche Fragen aufkommen.

Bringt’s das überhaupt, was wir hier tun? Warum genau Flyer verteilen? Guerilla Aktionen? Wahlkampf? Wer ist die Zielgruppe? Wieso stehen wir um 3:30am auf, um nach Konstanz zu fahren und die Leute vor der Arbeit mit Morgenlatte zu beglücken? Dies nur ein kleiner Auszug von Fragen, die einem meist noch während oder kurz nach der Aktion beschäftigen – und schließlich in noch größeren Fragen münden: Wieso machen wir das überhaupt? Wo ist das Konzept? Was ist die Vision?

Der Selbständige ist, im wahrsten Sinne des Wortes, selbst und ständig (zit. Stocki, 2013). Er handelt aus seinem freien Ermessen heraus. Da redet niemand dazwischen und keiner sagt einem, was zu tun ist, gibt Ziele vor oder stellt Meetings in Outlook. Darin liegt ein großer Reiz der Selbständigkeit. Aber liegt nicht genau in dieser unternehmerischen Freiheit – paradoxerweise – auch die größte Crux? Gerade weil der Unternehmer frei handelt stellt sich die Frage: Wonach soll man sich richten? Wer sagt einem, ob man auf dem richtigen Weg ist, die (ohnehin verhältnismäßig kleinen) Ressourcen zielgerichtet einsetzt oder allgemein die richtigen Fragen stellt? Woran soll man sich also orientieren? Wo ist der Fixstern? Der Kompass? Der Leuchtturm?

Das sind allesamt schwere Fragen und sie sind eminent wichtig. Aber es ist noch viel schwerer (und wichtiger) darauf gute Antworten zu finden, auch wenn sie nur vorläufig sind. Gerade auch in unserem Fall – wir sind nach wie vor nur zwei Nasen, haben praktisch kein Budget und befassen uns darüber hinaus noch mit einem überaus delikaten Thema…

Aber heulen hilft nicht.

Was dann? Gibt’s nicht irgendetwas worauf man sich verlassen kann? Ja? Es sind in meinen Augen folgende beiden Konzepte. Erstens, “Hör auf Deinen Bauch” und, zweitens, “Trial and Error”. Das mag beim ersten Lesen banal klingen, aber die beiden Konzepte vereinen die dem Menschen grundlegenden emotionalen und rationalen Evaluationsmechanismen. In der richtigen Kombination können sie ein mächtiges und wirkungsvolles Instrument zur Bewältigung von Ungewissheit und Ambiguität (nicht nur) in unternehmerischen Unterfangen darstellen.

Aber wie jetzt? Die beiden Devisen aus vorhergehendem Paragraphen sind so einfach wie hart: (1) Lass Dein Bauchgefühl über eine Marschrichtung entscheiden. (2) Lauf (trial), fall hin (error), steh wieder auf (trial) usw. Mach’s wirklich, denn die Kombination dieser beiden Ansätze ist deshalb so mächtig, weil sich die beiden Konzepte im Wechselspiel verstärken und einem nach und nach auf den richtigen Weg bringen.

Ein Beispiel. Bei der Wahl über ein geeignetes Promo-Instrument sagte mir mein Bauchgefühl, dass die direkte Ansprache von Personen zum Thema Sex Toys zu aufdringlich wirkt. Im Versuch bestätigt sich diese Annahme teilweise – insb. früh morgens wenn die Leute auf dem Weg zur Arbeit sind – kehrte sich aber ins Gegenteil am Nachmittag, als die Leute in den Stadtgassen flanierten und fast ausschließlich positiv auf Ansprache und Flyer-Give-Aways reagierten. Diese Erfahrungen trugen zu einem besseren (realistischeren) Bauchgefühl bei, dass uns am nächsten Tag die Promoaktion zeitlich anpassen ließ und für vermehrte Ansprache, Besucher auf der Seite, und letztlich auch Bestellungen führte.

entrepreneurial-year_bauchgefuehl

Die Konklusion: Je besser Dein Bauchgefühl, desto eher entscheidest du Dich für eine passende Marschrichtung. Je mehr Erfahrungen Du auf diesem Marsch durch Trial & Error sammelst, desto besser wird Dein Bauchgefühl und desto eher bringt es Dich auf die richtige Spur. So geht in dubio probieren immer noch über studieren. Oder eben: Just f***** do it! Und nur keine Angst vor’m Umfallen. Daraus lernt man immer noch am meisten.

2 Kommentare
  1. Jochen says: September 26, 201319:10

    So ist es!
    “Good judgment comes from experience. Experience comes from bad judgment”.
    Keep going!

  2. Uli says: July 30, 201409:46

    Nachhaltiger Erfolg braucht Erfahrung nicht nur mit dem Vertrieb, sondern auch den Produkten und den Kunden. Auf dem Markt gibt es viel überteuerten Schrott; Beispiel – wer braucht eine Gerte für 37,90, die es im Reitsporthandel viel authentischer für 9,90 gibt? Entrepreneurship hilft beim Start und vielleicht auch noch beim Weiterverkauf an eine Private Equity-Gesellschaft, für eine langfristig lebensfähige Organisation braucht es Nähe zum Mart und eine faire Business Proposition. Viel Erfolg, U

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