Entrepreneurial Year

Kreativität – ein Erfahrungsbericht

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Auf Knopfdruck kreativ? Schon mal in einem Meeting eine (wirklich) gute und innovative Idee gehabt? Oder doch in der Dusche? Zu viele Möglichkeiten und Ansatzpunkte? Paralyse durch Analyse? Wo soll man anfangen? Keine Ahnung. Du wirst es rausfinden, nur nicht jetzt.

Kreativität braucht Zeit
Wir lesen etwas und wir verstehen es. Nichts passiert. 5 Tage später, auf der Grillparty, kommt die zündende Idee. “Ah, ich könnte das ja so und so kombinieren und dann…” Passiert uns zurzeit ständig. Jeder kann von solchen Erfahrungen berichten. Das ist ganz normal. Unser Gehirn scheint eine relativ große Latenz zu haben, wenn es um die Verarbeitung von Informationen geht. Bis das angehäufte Wissen für Gedankenspiele zur Verfügung steht braucht es Zeit – meistens mehr als man meint. Darüber hinaus reicht es oft nicht, die Information nur einmal zu erhalten. Bis zu fünf mal muss man über ein Thema stolpern, bis das menschliche Gehirn ein Muster erkennt und darauf reagieren kann. Dieser Prozess lässt sich nur schwer beschleunigen, aber man kann gewisse Rahmenbedingungen­ schaffen, die die Wahrscheinlichkeit, dass man eine kreative, zündende Idee hat, deutlich erhöhen.

Kreativität braucht Langeweile
Warum kommen einem die guten Ideen immer in der Dusche oder beim Autofahren? Weil es langweilig ist. Schon mal in der Dusche mit dem Smartphone gesurft? Wir haben in solchen Situationen nichts zu tun. Unser Hirn ist nicht ausgelastet und hat Zeit Erlebtes zu verarbeiten und neue Verknüpfungen zu erstellen. So entstehen Gedanken und Ideen. Langeweile ist super! Wir sollten uns alle mehr langweilen! Dann würden wir viel “überlegter” durch die Welt gehen und viele Gedanken “entdecken”, die wir bis jetzt mit sinnlosem Zeug verdrängen. Aber leider ist die Langeweile in Gefahr. Unsere Gesellschaft schafft es immer besser “Leerzeiten” auszufüllen. Total effizient halt. Dass das auch eine Kehrseite hat, merken wir gar nicht. Und auch im privaten Bereich sind wir ständig “beschäftigt”: Zwei Freunde sitzen in einer Bar und genießen ein Bier. Einer steht auf und geht aufs Klo. Was macht der andere? Smartphone raus und rumdaddeln, FB checken, anstupsen, tweeten, twaaten, twuuten,… und ist danach genau so dumm wie vorher. Hatte schließlich keine Zeit nachzudenken. Schade, es hätte vielleicht etwas Neues entstehen können – oder vielleicht hätte er die gutaussehende Dame zwei Barhocker weiter kennengelernt, wenn er Zeit für Augenkontakt gehabt hätte… Hätte er bloß das Handy in der Hosentasche gelassen. Zugegeben, etwas viel “hätte”, aber vielleicht hätte es einen Unterschied gemacht.

Kreativität braucht Kommunikation
Wir sind gefangen in unserer Denke. Jeder von uns denkt in bestimmten Mustern und es fällt uns schwer, uns davon zu lösen. Wie wir denken ist sehr stark von unseren Erlebnissen und unserem sozialen Netz geprägt. Über die Jahre haben wir gelernt, welche Art zu denken “funktioniert” und uns weiterbringt. Ein spontaner kreativer Einfall ist daher auch nie wirklich spontan, sondern resultiert aus der gleichen Denke, die wir immer haben. Man könnte die Situation 1000 mal wiederholen und wir hätten an der Stelle jedes Mal diese Idee. Also – auch wenn wir uns super spontan und kreativ finden – wir sind eigentlich Opfer unserer eigenen Art Gedanken zu fassen und wir wiederholen uns dabei immer und immer wieder.
Wirklich kreativ werden wir erst durch Kommunikation mit anderen, denn dort werden wir neuen Denkmustern ausgesetzt. Wenn andere uns einen Einblick in ihre Sichtweise geben, erhalten wir eine neue Struktur, in die wir unser Wissen neu einsortieren können und dadurch selbst neue Ansichten, Meinungen und – letzten Endes – neue Ideen entwickeln können. Man muss sich mit anderem Denken konfrontieren, damit die eigene Denke wirklich Neues denken kann.

Kreativität braucht Struktur
Es gibt kreative und unkreative Menschen? Analytisch Begabte sind weniger kreativ? Je mehr Freiraum man hat, desto mehr gute Ideen generiert man? Alles Blödsinn. Jeder kann kreativ sein (Video). Kreativität ist ein Prozess und braucht daher eine klare Struktur, damit sie ablaufen und sinnvoll genutzt werden kann. Eine solche Struktur geben zum Beispiel Kreativitätsmethoden (wie das Brainstorming oder die 6-3-5-Methode) oder in einem größeren Rahmen die Design Thinking Methodik, die den gesamten Innovationsprozess in eine feste Struktur bringt und so die Erfolgswahrscheinlichkeit immens erhöht. Erst die Struktur schafft die notwendigen Rahmenbedingungen richtig kreativ zu sein. Vor allem Grenzen sind bei der Stimulierung von Ideen wichtig. So sind zum Beispiel offene Brainstormings zum Thema “Wie lösen wir Problem XY?” oft weniger erfolgreich als Brainstormings mit klaren Einschränkungen alla “mit maximal 100€ Budget” oder “Alle Ideen müssen mit A beginnen”. Diese Grenzen geben eine Orientierungshilfe und lösen das Problem nicht zu wissen, wo man anfangen soll. Die Brainstormings sind dadurch oft effizienter, zielführender und es entstehen mehr und bessere Ideen.

Kreativität braucht Chaos
Chaos ist erstrebenswert. Das freut jetzt alle mit unaufgeräumtem Schreibtisch. Aber das ist nicht gemeint. Gemeint ist, dass die wirklich wichtigen Ereignisse in unserem Leben nie geplant sind. Den Zug verpasst und über die Traumfrau gestolpert. Auf Facebook herumgelungert und dank eines Kollegen die Semestereinschreibung doch nicht verpasst. Auf die Schnauze gefallen und im Krankenhaus den zukünftigen Arbeitgeber kennengelernt. Genau so ist es auch mit den wirklich guten Ideen. Wir können sie nicht planen. Im Gegenteil, sie fallen uns ein, wenn wir am Wenigsten damit rechnen; dann, wenn wir uns mit anderen Dingen beschäftigen. Wir brauchen eine gewisse Ablenkung von unseren Problemen, um gute Lösungen zu entwickeln. Wer nur auf einem Projekt arbeitet und dort alle Zeit investiert, der kommt nicht mit anderen Gedanken in Kontakt und kann sich daher auch nicht inspirieren lassen. Ein gewisses Chaos schafft Gelegenheiten, neue Menschen, Meinungen, Probleme und Vorgehen kennenzulernen und eigene Verhaltens- und Denkmuster zu durchbrechen. Wir erhalten die Möglichkeit etwas Unerwartetes zu erleben und können so auf unerwartete Gedanken kommen. Ein bisschen weniger planen und dafür mehr reagieren würde uns allen gut tun. Also räume mal wieder deinen Schreibtisch auf und verlege dabei deine Agenda…

1 Kommentar
  1. Weißt Du Bescheid? says: August 1, 201310:04

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