Entrepreneurial Year

Neues machen, Neues sehen

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Der letzte Blog-Post ist bereits knapp 2 Monate alt. Und das ist gut so. Weil wir nur was sagen, wenn wir was zu sagen haben. Zum Beispiel etwas Lehrreiches, Interessantes oder, wie in diesem Fall, etwas Neues. Unser Mentor pflegt die Angewohnheit, dem Footer einer jeden E-Mail ein Zitat anzuhängen. Eines davon liest sich wie folgt: “Man muss etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen.” Und genau davon handelt die folgende Reflexion.

Seit Anbeginn des Entrepreneurial Years bewegen wir uns im Spannungsfeld von “1000 Ideen” auf der einen Seite und “1 Idee verfolgen” auf der Anderen. “1000 Ideen”, das klingt toll. Man arbeitet mal an der einen, mal an der anderen. Man probiert, verwirklicht, und lässt die Idee dann doch fallen. Es gibt ja noch 999 andere… Stimmt. Nur führen X nur angefangene Ideen nicht zum Erfolg. Erst Durchhaltevermögen und Konzentration machen aus einer Idee ein Unternehmen. Aber auch der Fokus auf “die eine Idee” hat seine Tücken. Weil man nach geraumer Zeit an manchen Stellen vielleicht einfach doch zu tief drin steckt, so fokussiert ist, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und einem die Inspiration fehlt.

Erstes Beispiel: Wir saßen eines Morgens wiedermal beim Tee und überlegten uns zusätzliche Promotion-Kanäle für Vibraa. Dabei hatten wir schon im vergangenen Herbst hunderte (ich übertreibe nicht) Ideen gesponnen, was, wie und wen man noch angehen könnte… Ja was denn noch? We’re stuck. Again.

Da kommt es natürlich grad’ gut gelegen, wenn die Agenda für den Nachmittag etwas völlig anderes vorsieht. Eine Familienfreundin hatte sich angemeldet, die unseren Rat bzgl. Verbesserungspotenzialen in ihrem Geschäftsmodell suchte. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und stürzten uns sofort und voller Tatendrang in den “neuen Zauber”, brainstormten, kombinierten, erweiterten und verbesserten. Und schon nach wenigen Stunden warteten wir mit einigen vielversprechenden Ideen auf, u.a. solche zur konkreten Identifikation ihrer “Kunden-Zulieferer”. Wir definierten diese im Folgenden weiter aus und erarbeiteten zusammen mit ihr, wer, wie und wann angegangen wird. Die Kundin war happy – wir genauso. Und Tags darauf inspirierte uns das Vorgehen zur weiteren Analyse möglicher Vibraa-Kunden-Zulieferer. Es klingt fast zu einfach, aber wir identifizierten nun zahlreiche Blogs, Hersteller und Portale mit denen wir aktuell zusammenarbeiten.

Zweites Beispiel: Noch im November letzten Jahres stritten wir uns über Sub-Sub-Menü-Punkte auf der Vibraa Website. Was steht wo, wie kategorisiert und unter welchen Headings, und warum? Im Dezember 2013 dann entschlossen wir uns aus einer Vielzahl an Gründen für ein völlig neues Shopsystem das wir im Januar und Anfangs Februar 2014 aufbauten. Guess what, es war die Arbeit an diesem neuen System, die uns aus dem Gedankengefängnis des alten System herauslöste, die uns ermöglichte, altes zu hinterfragen und Neues zu wagen. So besteht denn das aktuelle Menü der neuen Website aus lediglich 6 Punkten. Ganz ohne Submenü. Einfach. Klar. Übersichtlich.

Drittes Beispiel: Ich war vorletztes Wochenende in Skandinavien (wer fährt denn bitte im Winter in den Norden? Da ist’s ja nur kalt und nass?) und habe zahlreiche Inspirationen, Ideen und mögliche Use Cases für DFARM in einem Museum für Technik in Stockholm entdeckt – wenngleich ich noch nichts genaueres verraten möchte…

Die Beispiele könnten schier endlos weitergeführt werden. Gemein ist ihnen folgendes: Ob Website, Projekt, Firma, Beziehung oder Leben, Nebenprojekte, Systemänderungen und „gedankliche Ferien“ sorgen für Inspiration, lassen einem Dinge in anderem Licht erkennen, und können, direkt oder indirekt, wieder dem “Hauptprojekt” zu Gute kommen. Denn man muss etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen (Georg Christoph Lichtenberg) – oder in den Worten Hermann Hesses:

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Impliziert das aber nicht doch eher den “1000 Ideen” und nicht “der Einen” zu frönen? Jein. Es geht um die 1000 Ideen in der Einen. Diese zu erforschen, zu entdecken, weiterzuspinnen und zu verbinden. Nur erkennt man neue Ideen und deren Verbindnungen kaum, wenn man bloß den gewohnten Pfad weiter beschreitet. Es ist vielmehr ein Balanceakt aus Fokus (um Dinge auf die Schiene zu bringen) und Zerstreuung (um zukünftig nötige Weichenstellungen zu erkennen) den es zu trainieren und zu pflegen gilt.

Es lohnt sich zu fragen, bin ich noch auf dem richtigen Gleis? Fahr ich schon auf zu vielen Nebengleisen? – Und sich dabei vorzustellen, dass ein guter Lokführer um seine Ressourcen weiß, sich auf sein Zugpferd fokussiert und an der einen oder anderen Haltestelle auch gerne mal was Neues ausprobiert.

3 Kommentare
  1. Ben says: March 18, 201416:03

    Genau so ist´s! Und mit der Fortdauer des Projekts merkt man dann auch, dass man so viele verschiedene Ideen auch in einem Projekt leben kann.

    Weiter so, Jungs!

  2. Ben says: March 18, 201416:04

    Ah – und was mir noch einfällt:

    Mr. Tony Robbins hat mal gesagt: “Focus is power.” – I believe it.

  3. Melanie says: March 25, 201408:33

    Nebenprojekte sind eben toll :) Btw Congrats to DFARM! Nice Website!

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