Entrepreneurial Year

Prototyping (Teil 1): Warum der erste Wurf der Größte ist

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Wenn wir „Prototyp“ hören, denken wir an neuartige Raketen, mit denen man zum Mars fliegen kann, an futuristische Autos, die nie in der Form auf den Markt kommen werden, oder an Roboter, die uns in ferner Zukunft den Kartoffelbrei in den Mund schaufeln, sobald wir das nicht mehr selbst können. Kurz, wir denken an Produktentwicklung, an High Tech, an Dinge, die uns wahrscheinlich nichts angehen und von denen wir noch weniger verstehen. Wir vergessen dabei aber, dass alles um uns herum ein Prototyp ist.

Alles ist ein Prototyp
Evolution ist nichts anderes als die Auswahl des an die Umwelt am besten angepassten Prototypen. Die Krönung der Schöpfung (wir?) entstand durch natürliche Selektion über viele Evolutionsstufen (= Prototypen) hinweg.* Und auch der ergonomische Bürostuhl auf dem Du jetzt gemütlich rumwippst war früher ein Holzstuhl, und davor ein Holzklotz ohne Lehne, und davor ein kalter Stein. Aber Blasenentzündungen und Rückenschmerzen führten dazu, dass sich schlaue Leute Gedanken machten, wie man das Sitzen nach und nach erträglicher machen kann. Von der Steinzeit zum hydraulischen Massagesessel mit stufenlos regulierbarer Lymphdrainage und ausgeklügelter Luftzirkulationsarchitektur zur Wärmerückgewinnung. Schon Klasse, diese Prototypen!

Alles bleibt ein Prototyp
Aus dieser Perspektive können wir alles – egal ob Gegenstände, Meinungen oder Handlungen – als Zwischenlösungen und unvollkommene Annäherungen an ein Ideal sehen. Und dadurch entsteht kreativer Raum, diese zu verbessern und auf die nächste Ebene zu heben. Schön daran ist, das jeder mitmachen darf. Unsere Umwelt wurde von Menschen gestaltet, die nicht schlauer waren als Du und ich und wir können uns selbst einen Prototypen suchen, den wir verbessern möchten – und dann einfach loslegen. Egal ob es sich dabei um Produktpräsentation im Vibraa Love Toy Store, die Zusammensetzung des Frühstückmüslis, oder die Personalplanung im örtlichen Krankenhaus handelt. Nur eins ändert sich dadurch nicht: Alles Neue ist auch nur ein Prototyp, der wiederum nach Verbesserung ruft.

Alles beginnt als Prototyp
Da sich selbst Meinungen und Ideen prototypisch verhalten und immer auf etwas (z.B. einer Erfahrung) aufbauen, ist es schwierig die Entstehung eines Prototypen zum „Beginn“ zurückzuverfolgen. Aber irgendwo muss dieser Prozess anfangen und es stellt sich die Frage, ab wann man von einem Prototypen sprechen kann.

Da wir Prototyen als ein externes Validierungsinstrument für eine Idee sehen, definieren wir einen Prototypen als

ein Ideenstadium, das in einer Form vorliegt, die von der Umwelt wiederholt und zeitversetzt erlebbar ist (Stocki, 2014).

Der erste Prototyp entsteht also genau in dem Moment, in dem das Individuell-Gedankliche – das Abstrakte – eine konkrete, vom „Schöpfer“ losgelöste Gestalt annimmt. In diesem Moment wird die Idee selbst für andere greifbar, erlebbar und damit diskutier- und verbesserbar. Es ist der wohl schwierigste, wenngleich entscheidende Schritt in der Evolution einer Idee, da sie dadurch die Möglichkeit erhält, sich unabhängig von ihrem Ideengeber (und seiner Beschränktheit) zu entwickeln.

Egal wie gut oder schlecht der erste Prototyp ist, er ist notwendig, damit sich daraus etwas Besseres entwickeln kann. Erst mit dem ersten Wurf wird dieser Prozess gestartet und genau das macht diesen Prototypen so wichtig. Also fang mal an zu werfen!

 

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* Ja, auch wenn man die Bibel wörtlich auslegt, denn Gott übte sich dort schließlich auch erst an den Tieren, bevor er sich uns annahm. Also jetzt bitte keine Grundsatzdiskussionen! ;-)

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